Studie von CANCOM und ServiceNow: Mittelstand setzt AI produktiv ein – doch Integration, Sicherheit und Governance bremsen die Skalierung
Drei von vier mittelständischen Unternehmen nutzen AI bereits produktiv – nur jedes Vierte hat sie vollständig in ihre Kernprozesse integriert.
Fast jedes zweite Unternehmen betreibt AI in isolierten Silos, 16 Prozent nutzen unkontrollierte „Schatten-KI
Integrierte Plattformen, solide Datenarchitekturen und kontrollierte Betriebsmodelle sind die zentralen Hebel für den nachhaltigen AI-Erfolg.
CANCOM hat gemeinsam mit ServiceNow die Studie „AI zwischen Vision und Umsetzung – Wie der Mittelstand den Schritt von Pilotprojekten zur breiten Umsetzung schafft“ veröffentlicht. Die vom Analystenhaus techconsult durchgeführte Befragung zeigt: Artificial Intelligence (AI, Künstliche Intelligenz, KI) ist im deutschen Mittelstand strategisch angekommen und wird bereits produktiv genutzt. Gleichzeitig bestehen erhebliche Herausforderungen bei der unternehmensweiten Integration, Governance und sicheren Skalierung von AI-Anwendungen.
Für die Studie befragte techconsult im Auftrag von CANCOM und ServiceNow Anfang 2026 IT- und Business-Entscheider aus mittelständischen Unternehmen mit 500 bis unter 2.000 Mitarbeitenden in Deutschland. Das zentrale Ergebnis: 76 Prozent der Unternehmen nutzen AI bereits produktiv, doch erst 26 Prozent haben sie vollständig in ihre Kernprozesse integriert. Viele Unternehmen verharren damit auf der Stufe einzelner Pilotprojekte oder isolierter Anwendungsfälle.
AI ist im Mittelstand angekommen, doch rund die Hälfte betreibt AI in Silos
Besonders deutlich wird laut Studie der Zusammenhang zwischen strategischer Verankerung und tatsächlichem Reifegrad: Unternehmen mit einem klaren „AI-First“-Ansatz haben AI deutlich häufiger vollständig operationalisiert als Unternehmen, die AI nur auf Bereichsebene umsetzen. Gleichzeitig verfolgen 49 Prozent der befragten Unternehmen weiterhin isolierte Bereichsstrategien, wodurch Datensilos, Parallelstrukturen und Sicherheitsrisiken entstehen können.
Die Studie zeigt deutlich, dass AI im Mittelstand die Experimentierphase verlassen hat. Der entscheidende nächste Schritt ist nun die kontrollierte und skalierbare Integration in unternehmenskritische und wertschöpfende Prozesse“, sagt Simon Russin, Vice President Enterprise Applications bei CANCOM. „Wer AI nur abteilungsweise einführt, baut sich Schatten-KI ins eigene Haus, mit entsprechenden Risiken. Fast die Hälfte des Mittelstands geht heute genau diesen riskanten Weg.“
EU AI Act macht Governance zur Pflicht, viele Unternehmen sind nicht vorbereitet
Die größten Hürden bei der AI-Integration sehen die Unternehmen in den Bereichen IT-Sicherheit und Risikomanagement (38 Prozent), Kosten und Budgetrestriktionen (28 Prozent) sowie fehlendem Know-how (25 Prozent). Die Ergebnisse unterstreichen damit, dass AI-Einführung zunehmend eine infrastrukturelle und organisatorische Aufgabe ist. Hinzu kommen Anforderungen an die Datensouveränität (23 Prozent) und regulatorische Unsicherheiten (22 Prozent).
Diese Punkte gewinnen mit dem schrittweise in Kraft tretenden EU AI Act zusätzliche Brisanz: Was bisher freiwillige Governance war, wird zunehmend zur regulatorischen Pflicht. Nachweisbare Compliance-Fähigkeit nennen bereits 28 Prozent der Unternehmen ausdrücklich als Kriterium bei der Wahl ihres IT-Dienstleisters. Vor dem Hintergrund von EU-DSGVO, NIS2 und EU AI Act ist das kein Randaspekt mehr, sondern ein Wettbewerbsfaktor.
Agentic AI rückt vom Zukunftsthema in die konkrete Umsetzung
Auch Agentic AI gewinnt an Bedeutung. 21 Prozent der Unternehmen nutzen oder testen bereits agentenbasierte Ansätze, weitere 36 Prozent planen die Einführung innerhalb der kommenden zwölf Monate. Die Mehrheit versteht Agentic AI dabei weniger als disruptive Revolution, sondern als nächste Stufe der Prozessoptimierung und Automatisierung.
„Unternehmen benötigen heute mehr als isolierte AI-Anwendungen. Gefragt sind integrierte Plattformen, die Daten, Prozesse und AI sicher miteinander verbinden“, sagt Alwin Schauer, AVP Alliances & Channels Ecosystem bei ServiceNow. „Gerade mit Blick auf Agentic AI werden Transparenz, Kontrolle und Governance zu entscheidenden Voraussetzungen für den produktiven Einsatz autonomer Systeme.“
Integrierte Plattformen werden zum Erfolgsfaktor
Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen einen klaren Handlungsbedarf: AI muss stärker als Bestandteil einer integrierten IT- und Prozessarchitektur verstanden werden, nicht als Fachbereichsprojekt. Unternehmen, die ihre Datenstrukturen konsolidieren, Plattformansätze verfolgen und zentrale Governance-Modelle etablieren, schaffen die Grundlage für Skalierbarkeit, Sicherheit und einen nachhaltigen AI-Regelbetrieb.
Entsprechend verändern sich auch die Erwartungen an externe Partner. Gefragt sind weniger punktuelle Implementierungsdienstleister, sondern strategische Transformationspartner mit technischer AI-Expertise (40 Prozent), Branchenverständnis (35 Prozent) sowie einen ganzheitlichen Architekturansatz (34 Prozent) achten. Geschwindigkeit allein überzeugt nur noch 23 Prozent.
Die vollständige Studie steht hier zum Download bereit.
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